“Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt.“
- Ludwig Wittgenstein
Die Corona-Sprache war primär eine Sprache der politischen Gewalt. Sie hat Ge- und Verbote sowie Handlungsanweisungen erlassen, war autoritär geprägt, erhob den moralischen Zeigefinger, wertete Kritik und Menschen ab, kriminalisierte den Alltag und griff tief in die Privatsphäre der Menschen ein. Sie personalisierte das Corona-Virus und entließ die Politik somit von jedweder Verantwortung.
Gleichzeitig war sie aber auch voller Euphemismen und Verharmlosungen, um berechtigte Zweifel und Kritik im Keim zu ersticken. Insofern Sprache Ausdruck unseres Denkens ist, zeigte diese sprachliche Entwicklung eine bedenkliche Abwertung demokratischer und zivilisatorischer Errungenschaften.
Diffamierungsbegriffe
In der “Corona-Pandemie” wurden Maßnahmen- und Impf-Kritiker mit einem ganzen Arsenal von Diffamierungsbegriffen beschossen. Andersdenkende, die dem offiziellen Corona-Narrativ widersprachen, waren nicht mehr erwünscht. Fortan sollte nur noch eine Meinung, eine Analyse und eine Wahrheit gelten. Ein offener und breiter Debattenraum sowie ein pluralistischer Diskursrahmen, wurden von Beginn an mit Stigmawörtern unterbunden. Das begann bereits im Frühling 2020 mit dem populären “CIA-Begriff Verschwörungstheoretiker”, in all seinen Formen und Varianten:
Verschwörungsproduzenten
Verschwörungslügen
Verschwörungsgläubige
Verschwörungsschwurbler
Verschwörungstrolle
Verschwörungsdeppen
Verschwörungsautoren
Verschwörungsmärchen
Verschwörungsfuzzis
Verschwörungs-Unsinn
Verschwörungselemente
Verschwörungs-Narrative
Verschwörungshooligans
Verschwörungsmystiker
Verschwörungsfanatiker
Verschwörungsindustrie
Verschwörungsideologen
Verschwörungserzähler
Verschwörungsmythen
Verschwörungslegenden
Verschwörungswahn
Verschwörungsdenker
Verschwörungsunternehmer
Verschwörungsmuster
Verschwörungsmentalität
Verschwörungsszene
Verschwörungsprediger
Als Nächstes kamen die negativ aufgeladenen “Corona-Begriffe”:
Corona-Relativierer
Corona-Leugner
Corona-Verharmloser
Corona-Skeptiker
Corona-Wutbürger
Corona-Deppen
Corona-Rebellen
Corona-Gegner
Corona-Querdenker
Corona-Demagogen
Covidioten
Interessant sind die Assoziationen und Konnotationen der negativ behafteten Vokabeln: „Corona-Leugner“, „Wissenschaftsleugner“ oder „Impf-Leugner“. Denn sie sind nicht weit enfernt vom „Klima-Leugner“ oder „Holocaust-Leugner“. So bettet man jegliche Corona-Maßnahmen-Kritik in ein rechtsradikales Gedankengut ein.
Außerdem bezichtigt man so alle Kritiker als Lügner (Leugner) und offenbart zugleich, dass es nur eine Wahrheit geben darf, an der nicht gezweifelt werden soll. Weitere negativ konnotierte Begriffe waren “Querdenker”, “Schwurbler” und “Impfgegner”.
“Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten – wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten – dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.“
- George Orwell, „1984“
Kontaktschuld und Querfront
Die sprachliche Herrschaftsmethode der „Kontaktschuld“ sowie der „Querfront“ wurden auch bei der “Corona-Pandemie” vielfach angewendet.
Die „Kontaktschuld“ beruht auf den Vorwurf, Person A habe in irgendeiner Form und Weise etwas mit Person B zu tun, die bereits einen vermeintlich schlechten Ruf hat. Ob die Diskreditierung von Person B überhaupt inhaltlich oder argumentativ relevant aufgearbeitet oder analytisch untersucht wurde, spielt zumeist gar keine Rolle.
Es geht primär darum, Person A mit Person B irgendwie in Verbindung zu bringen, damit der vermeintlich schlechte Ruf von Person B auch an Person A kleben bleibt. Um allen Rezipienten aufzuzeigen, dass Person B auch wirklich unseriös und unglaubwürdig sei, werden Adjektive wie beispielsweise „fragwürdig“, „diffus“, „krude“, „dubios“ oder „umstritten“ verwendet („der umstrittene Prof. Bhakdi“).
Beim Vorwurf der „Querfront“ wird der Vorwurf der „Kontaktschuld“ vertieft. Linke und rechte Positionen werden hier angeblich vermischt, weil sie angeblich durch verschiedene Aktionsbündnisse zusammenarbeiten würden. Auch hier stellt sich zunächst einmal die grundsätzliche Frage, wer von sich behauptet, links oder rechts zu sein und wer von Politik und/oder Medien nur als links oder rechts etikettiert wird?
Auch ist die Frage nach der Zusammenarbeit kaum definiert. Oft genügt schon die gemeinsame Präsenz auf einer Veranstaltung oder ein Interview, um eine „Querfront“ zu unterstellen. So titelte das Blog „der Volksverpetzer“ am 17. April 2020: „Corona-Querfront: Einige deiner Freunde könnten demnächst Nazis werden.“ Hier wurde eindringlich behauptet, dass wer sich tief in die Maßnahmen-Kritik einarbeite, womöglich am Ende bei den Rechtsextremen landen würde.
“Die Dinge falsch benennen, heißt das Unglück in der Welt zu vergrößern.”
- Albert Camus
Freiheit
Ein weiterer Begriff, der umgedeutet wurde, war die „Freiheit“. Ein politisch schwer fassbares Wort, da die Definition der Vokabel stark davon abhängt, welche Interessen und Ziele verfolgt werden.
Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache definiert „Freiheit“ als politische Unabhängigkeit im Hinblick auf Staat und Gesellschaft sowie die Unabhängigkeit von äußerer und innerer Unterdrückung. “Freiheit” sei zudem, die Möglichkeit und das Recht sich selbstbestimmt und ungehindert entfalten zu können. Jean-Jacques Rousseau definiert die „Freiheit“ so: “Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.”
Im Rahmen der “Corona-Pandemie” wurde der Begriff „Freiheit“ nun nicht mehr als ein individuelles Grund-, Bürger- und Menschenrecht definiert, sondern als „Privileg“ (oder gar Belohnung) für die Einhaltung von staatlichen C-Maßnahmen verstanden. Zahlreiche Wissenschaftler, Politiker, Experten und Prominente, brachten zudem die Corona-Impfung mit der „Freiheit“ in Verbindung. Wer alle Impfungen (und „Booster“) mitgemacht hatte, durfte dann auch wieder am öffentlichen Leben teilhaben:
„Die Maske ist ein Instrument der Freiheit.” (Markus Söder)
„Verbote sind die Bedingung für Freiheit.” (Robert Habeck)
„Solange wir so eine Situation haben wie die jetzt, dass eine ganz kleine Minderheit geimpft ist und eine große Mehrheit nicht, wird es keine neuen Freiheiten geben!“ (Angela Merkel)
„Die Freiheit durch Testen wird teurer und damit das Interesse an der Impfung größer.“ (Thomas Denzel vom SWR)
„Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit. Freiheit gibt es nur mit Impfpflicht.“ (Karl Lauterbach)
Viele Politiker und Journalisten sahen die „Freiheit“ eben nicht mehr als ein bedingungsloses und universales Menschenrecht an, sondern knüpften sie an bestimmte Vorgaben, die der Bürger zu erfüllen habe: Maskenpflicht. Testpflicht. Impfpflicht. Hygiene-Regeln. Impfpass. Corona-Maßnahmen.
“Es gibt nur einen Ausdruck für die Wahrheit: den Gedanken, der das Unrecht verneint.“
- Theodor W. Adorno
Personalisierung und Verantwortungsdelegation
Ein sehr auffälliges Phänomen, um sich rhetorisch jeglicher politischer Verantwortung zu entziehen, ist einerseits der Bevölkerung diese zuzuschieben, indem sie alle Maßnahmen unterstützen soll, und andererseits vom Virus als handelndes Subjekt zu sprechen, welches die Verantwortung für alle Folgen und Kollateralschäden tragen soll.
Es sei der Feind, der Gegner, den man vernichten muss. Da heißt es beispielsweise: „das Virus verlange einen Lockdown“. Es sind nicht die politischen Akteure, die ihn beschließen sowie die Massenmedien die ihn befeuern, (oder eben auch sein lassen, wie in Schweden oder Belarus), sondern das Virus will es so. Das Virus „treibt Städte in den Ruin“, ist heimtückig und „niemals müde“, es sorgt für „Pleiten, Fettleibigkeit und Suizide“.
Politik, Medien und Wissenschaft haben sich vielfach dieser Rhetorik bedient:
“Der Druck kommt vom Virus, nicht von uns. Das Virus ist der Übeltäter, nicht wir.“ (Winfried Kretschmann. Grüne.)
“Dem Virus ist unser Kalender egal.“ (Janosch Dahmen. Grüne.)
“Das Virus interessiert sich nicht für Stimmungen oder Politik. Das war schon immer so.” (Michael Kretschmer. CDU.)
„Viren scheren sich nicht um Kompromisse und Parteipolitik.“ (Sascha Karberg. Tagesspiegel.)
“Das Virus entscheidet die Wahl.” (Karl-Rudolf Korte. Politikwissenschaftler.)
Es hat eine lange Tradition, dass Politiker, Journalisten und Ökonomen, die eigene Verantwortung an eine vermeintlich höhere Macht abschieben (wollen). So müssen sie keine Konsequenzen fürchten oder für ihre Entscheidungen die Folgen übernehmen.
Sämtliche sozial-ökonomisch-ökologischen Schäden werden fortan dem allmächtigen und omnipotenten Virus zugeschrieben: „pandemiebedingt“, „Folgen der Corona-Pandemie“ oder schlicht „wegen Corona“. Die Verantwortlichen für die politischen C-Maßnahmen geraten so vollständig aus dem Fokus der Öffentlichkeit.
Da das Internet und Millionen von Menschen (mich eingeschlossen), die unter den C-Maßnahmen massiv gelitten haben, nicht vergessen werden - hat das wohl nur bedingt funktioniert.






Eine Verschwörungstheorie ist eine Verschwörungserzählung, die einer Verschwörungsideologie entspringt.
Diese Aussage ist zwar abwegiger, verschwurbelter Unsinn im Quadrat, und doch aussagekräftig im Sinne von sublimer, hinterhältiger Provokation des normopathischen Zeitgeistes, dessen Erscheinungsformen eben solcherart Schwachfug befördern.
Heutzutage sind die Menschen nicht mehr nur geisteskrank, sie sind eine Freakshow. Woke und queer. Non-Binärer Fuchs und Trans-Schoko-Hase gleichzeitig. Leute ohne Minderwertigkeitskomplexe bezüglich ihrer intellektuellen Begabungen, lassen diese geistige Abnormität noch besonders deutlich hervortreten.
Die Attitüde ist bestens eingeübt: Den Kampf gegen die Höllenpest, den die Idioten in „Babylon Berlin“ verloren haben, werden wir, „die Guten™“, hier und jetzt siegreich zu Ende bringen. Wenn dafür dieselben Methoden, wie die von den damaligen Siegern angewendet werden, was soll‘s.