Die Lüge ist systemimmanent
Unsere Gesellschaft, unser Wirtschafts- und Politiksystem, sowie die Massenmedien sind auf Mythen, konstruierten Erzählungen und Lügen aufgebaut. Die Lüge ist systemimmanent. Sie ist ein wichtiger und fester Bestandteil, ja das Fundament auf dem sich unser gesellschaftliches Leben aufbaut. Die Lüge, in all ihren Wesens- und Erscheinungsformen, ist keine Abweichung, kein Einzelfall oder eine Panne, sondern der zentrale Wesenskern unserer täglichen Lebenswelten.
Im alten Testament, in den zehn Geboten steht: “Du sollst nicht lügen!“. Unseren Kindern bringen wir bei, ehrlich und aufrichtig zu sein. Bewusst die Unwahrheit zu sagen, wird gesellschaftlich und sozial geächtet. Ein eigennütziger Schwindler ist ein unehrenhafter und hinterlistiger Genosse. Jemand, der seine Familie betrügt oder fremd geht, muss mit sozialer Verbannung rechnen. Wer seinen Chef bewusst anlügt, bestiehlt oder betrügt, muss mit Kündigung oder Klage rechnen.
Vorrausgesetzt natürlich, man wird erwischt. Eine Lüge, die nicht offen gelegt bzw. nicht als solche interpretiert wird, bringt häufig sogar persönliche Vorteile. Und der ist, in einer marktradikalen Gesellschaft - in der Konkurrenz und Wettbewerb die maßgebenden Werte sind - für viele eine wichtige und alltäglich wiederkehrende Lebensaufgabe. Insofern sind die Methoden und die Techniken zur Verbergung und Kaschierung von Betrügereien immer geschickter und perfider geworden.
Betrug als Machtinstrument
In der Politik gehört das systemische Lügen zum ordentlichen Handwerkszeug. Politiker lügen, um gewählt zu werden, um ein gutes Image zu haben, um Interessenskonflikte zu verschleiern, um Bestechlichkeit, Korruption und um Lobbyismus zu verdecken. Die Lügen, die Verzerrungen und die Falschdarstellungen, gehören quasi schon zum Berufsalltag des Politikers.
Wer nicht in der Lage ist, bestimmte Sachverhalte, Entscheidungen, Gesetze und Interessenskonflikte mediengerecht zu präsentieren und dabei Informationen, die einem Nachteile bringen könnten, zu verbergen, der wird sich nicht lange auf der politischen Bühne halten können.
Hin und wieder fliegt ein Schwindel auf . Dieser wird dann zu einem Skandal hochgeschrieben, was den Eindruck verhärten soll, es handele sich nur um einen Einzelfall. Die große Mehrheit sei jedoch ehrlich und integer, nur ein paar wenige würden die Grenzen überschreiten. Der ehrliche Politiker gehört jedoch genauso ins Reich der Fabeln, wie der objektive Journalist.
Täuschung als Werkzeug
Die Massenmedien verzerren, personalisieren, verschweigen, kaschieren, konstruieren, verdrehen, werten, übertreiben, inszenieren, verallgemeinern usw. usf., wo sie nur können. Die ermüdende Diskussion, ob dies nun eine bewusste Medien-Propaganda-Agenda oder nur das Ergebnis eines profitorientierten Gewerbes sei, ist hierbei zweitrangig. Wichtig ist, dass sie es tun.
Die Suche nach der Wahrheit ist den meisten Journalisten kein Anliegen, auch wenn oft von der Verantwortung der Medien oder der sog. “Vierten Gewalt“ gesprochen wird. Man kann also mit Recht behaupten, dass die Massenmedien kein Hort der Wahrheit sind, sondern eher die Lüge in all ihren Erscheinungsformen zu perfektionieren suchen. Bewusst oder unbewusst.
Gekaufte Wahrheiten
Die Wissenschaft galt lange Zeit als Haus der Wahrheit. Seitdem jedoch Unternehmen und Konzerne die Wissenschaft in ihren eisigen Klauen halten, ist sie vielmehr zur Produkt- und Unternehmensforschung degradiert. Die Geisteswissenschaften werden gegenüber den Naturwissenschaften finanziell stark benachteiligt: Lehrkräfte werden gestrichen und Institute geschlossen.
Die Wissenschaft hat sich in weiten Teilen dem “Big Business” untergeordnet. Medizin- und Pharma-Institute produzieren Studien, Forschungen und Statistiken, die den Pharmakonzernen dienen und die Ingenieurswissenschaften forschen für das Militär. Bei all dem bleibt es natürlich nicht aus, dass systematisch gelogen wird. Immer dort, wo es den Interessen der Geldgebern nicht dienlich ist, werden Forschungsergebnisse verzerrt, zurecht gebogen oder verschwiegen.
Blendwerk als Verkaufsargument
In der Arbeitswelt gehört die Lüge zum alltäglichen Revierkampf. Um sich als Arbeitskraft besser verkaufen zu können, wird im Lebenslauf und im Bewerbungsgespräch gelogen. Die Werbung in all ihren Formen, ist ein Reich von haltlosen Behauptungen, Träumereien, Verdrehungen, Überspitzungen und dreisten Schwindeleien.
Die aufgesetzte Freundlichkeit von Verkäufern ist Bestandteil des Geschäftes und eher selten das Ergebnis einer ehrlichen sozialen Interaktion. PR und Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen übertreiben und überhöhen in der Regel immer die eigene Perspektive. Ehrliche und selbstkritische Unternehmen dürften eine eher seltene Erscheinung sein. Um eine positive Bilanz vorweisen und um einen ordentlichen Reibach machen zu können, wird gelogen, betrogen und bestochen, wo es möglich ist und nicht sofort auffällt.
Die Lüge als geistiges Fundament
In den Unis, in den Massenmedien, in Büchern oder bei Reden von Politikern oder Wirtschaftsvertretern wird man nicht müde, zu behaupten, wir seien eine “Wertegesellschaft”. Eine vorzeigbare “Demokratie”, die von den Menschenrechten getragen wird, so heißt es dann. Bürger- und Menschenrechte jedoch, werden schnell zur Verhandlungsmasse, wenn es um Profit und Geschäft geht. Die Lüge, wohl in fast allen Religionen und Weltanschauungen geächtet und gleichzeitig kultiviert, gehört schon lange zu unseren täglichen Lebenswelten.





Eine der besten Texte zu Putins Begriff vom "Imperium der Lügen", als Bezeichnung für den Werte-Westen.